Freitag, 23. März 2012

Nur eine andere Methode


Wieso wollen wir eigentlich in Südafrika Rad fahren? Seit der ursprünglichen Planung ist ein Jahr vergangen, und inzwischen wissen wir beide es nicht mehr. Während wir einen Tag im Zug, im Flugzeug und auf Transfers verbracht haben, diskutierten wir einige Hypothesen: Hat uns das Abenteuer Afrika in unserem Übermut gelockt? Haben wir das Radfahrfieber und können nicht anders, als immer extremere Rennen zu fahren? Waren wir im letzten Frühjar vielleicht gar nicht recht bei Trost? Mir gefällt die Fluchthypothese am besten: Jede Ausfahrt ist eine kleine Flucht aus dem Alltag, und in diesem Fall ist es eine große Flucht. Irgendwie verstärkten die letzten Tage vor Abreise ziemlich diesen Eindruck.

Mit den ersten 24 Stunden unterwegs verschwand allmählich das Gefühl des Absurden, weil alles so normal war: Zug pünktlich, Flieger pünktlich, Transfer erwartet uns, Pension erwartet uns, alles klappt. Dass wir unsere irrwitzig großen Radkoffer herumwuchten müssen, ist der einzige Störfaktor. Südafrika ist (zumindest bis jetzt) Europa so ähnlich, dass ich fast vergessen hätte, es zu erwähnen.

Die Exotik zeigt sich hauptsächlich am sommerlichen Wetter, das so gar nicht zu unserem europäischen Rhythmus der Jahreszeiten passt. Entsprechend holprig war auch unsere Vorbereitung im Winter bei Minusgraden, während wir hier mit 30 Grad rechnen müssen. Ob wir trotzdem genügend Trainingsstunden gesammelt haben, werden wir ja sehen. Wegen der Hitze sind wir zur Anpassung 2 Tage vor Rennbeginn da.

Zur Beschleunigung der Akklimatisation haben wir uns heute schon mal auf den Tafelberg geschwungen. Und siehe da, Radfahren funktioniert hier auch, ein paar Unterschiede gibt es. Obwohl wir eigentlich groggy vom Flug sind, macht uns das Radfahren so viel Spaß, dass wir wissen, warum wir hier sind: Radfahren ist einfach unsere Methode, Afrika zu efahren. In Touristenhotels wohnen, mit dem Auto rumfahren und Sachen angucken ist eine andere Methode.

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