Sonntag, 1. April 2012

Fertig

Die letzte kurze Etappe war eigentlich ganz entspannend, dachten wir. Allerdings verloren Arnold und ich uns aus dem Blick und warteten jeweils aufeinander, bis der Besenwagen kam.

So rollten wir das Feld vom Schluss her auf, bis mir dann die Kette riss. Während der Reparatur sausten wieder alle an uns vorbei, so dass wir wieder am Schluss des Feldes in die Verpflegungsstation gondelten. Die Rennhektik war uns gründlich vergangen und es hätte eine ganz entspannte Tour werden können. Bis auf den Gedanken, was denn noch alles auf den letzten 20 km passieren würde. Zum Glück nichts und so hängten uns Karl Platt und Christoph Sahm die Finishermedaille um. Eine große Erleichterung macht sich bei allen breit und wir sitzen auf der Picknickwiese mit einem Glas Wein in der Hand und gucken dümmlich grinsend in die Runde.

Jetzt wieder alles organisatorische rückwärts abwickeln: Bikeboxen, Hotel, Flughafentransfers und das mit leerem Akku, vom iPhone. Sorgen um den Ladestand und Wifi-Verbindung bleiben die beständige Sorge -- Epic oder nicht.

Samstag, 31. März 2012

Und nu? Super-Glue!

Gestern war an Rad-Service nicht mehr zu denken gewesen. Als mich um 21:15 die SMS erreichte, dass mein Rad jetzt gewaschen sei, lag ich schon in meinem Schlafsack. Sonst wars überall kalt und Wecken ist täglich um 5 (mit Dudelsack-Musik).
Beim ersten Anstieg zeigt sich das Malheur: Der Reifen schleift am Rahmen. Alle Gelenke sind fest, aber unter der Kettenstrebenabdeckung sieht man einen Spalt. Rahmen gerissen, siehe Foto.
Ein hilfsbereiter Mitbiker (alle Südafrikaner sind hilfsbereit) schlägt beherzt gegen das Hinterrad und der Spalt geht zu. Na immerhin schleift es nicht mehr. Wie in Schock fahre ich weiter. Wir checken nach ein paar Minuten die Sachlage: Behelfsreparatur unmöglich; mögliches Schadenspotential beherrschbar. Also weiterfahren.
Im weiteren Verlauf an jedem Servicepoint die gleiche Reaktion, wenn ich den Schaden zeige: Oh.
Es hält bis zurück ins Camp. Meine weitere Suche nach Reparaturmöglichkeiten beschert mir eine weitere Serie von Ohs. Weit außerhalb des Camps in einem Feldlager von nicht-offiziellen Bikeshops finde ich jemanden, der es mit einem Hammer zusammenklopft und mit SuperGlue klebt. Toitoitoi.

Möchtest du heute fahren?

Mit dieser Frage hat mich Ekkard heute früh überrascht. Natürlich wollte ich nicht, aber nachdem uns keine wirklich guten Alternativen eingefallen sind, haben wir uns dann doch für einen Start entschieden.

Zuerst einmal musste ich mich auf die Kälte und Feuchtigkeit draußen einstellen, bevor ich in den Tag starten konnte. Bevor mir das gelungen ist, hat mich allerdings die Feststellung eingeholt, dass die Feuchtigkeit nicht nur draußen ist, sondern auch im Zelt. Naja, so ist das eben beim Zelten. Regnet es erst mal machen die nassen Dinge alle anderen Sachen auch nass, so dass sich eine Einheitsfeuchtigkeit in Allem einstellt, was Feuchtigkeit aufnehmen kann. Prinzipiell wäre mir das egal, aber sogar meine Fahrradklamotten wollten von der Nässe etwas abhaben und haben gleich ordentlich zugeschlagen. Als Lösung habe ich mich entschieden alle Fahrradklamotten für den Tag zu mir in den Schlafsack zu holen, damit ich sie warmkuscheln kann. Das Prblem dabei war aber, dass Ekkard nicht mit seinen Klamotten kuscheln wollte sondern lieber frühstücken. Also langerer Rede kurzer Sinn: rein in die feuchten Sachen und den Tag starten.

Aufgrund des auf 7:30 Uhr zurückverlegten Starts hatte es tatsächlich schon 6,5°C und wir konnten uns nicht ohne unsere Regen- und Matschschutzgarderobe auf den Weg machen (obwohl die Sonne schien). Die Streckenführung hat uns heute viel besser gefallen als die bisherigen Tage. Es hätte fast eine schöne Ausfahrt in den Alpen sein können. Sogar die angekündigten Singletracks waren zumindest zum Teil akzeptabel. Einige haben uns aber mehr an Spaghetti erinnert, die lieblos irgendwo hingeworfen wurden.

Meine Hauptsorge bestand heute darin, wie ich die 2.000 hm ohne Bremsen überstehen sollte. Die Bremsbelege vorn und hinten waren von gestern total verschliessen, so dass ich schon Metall auf Metall gehört habe, sobald ich zu bremsen begann. Außerdem hat meine Kette üble Pfeiftöne von sich gegeben. Aufgrund der späten Ankunft gestern abend und der Tatsache, dass die Bikes erst im Lauf der Nacht fertig gewaschen waren, hatte ich keine Möglichkeit, mich noch darum zu kümmern.

Das Kettenproblem war einfach gelöst. Am ersten Anstieg des Tages wurde die Kette mit Öl bedacht, was die Kette mit hübschem Schnurren quittiert hat. Das Bremsproblem war im Anstieg noch nicht so relevant, so dass ich es vorerst hinter den körperlichen Sorgen angestellt habe. Aber spätestens in der ersten Abfahrt wurde klar, dass ich so nicht über den Tag kommen werde. An der ersten Verpflegungsstelle habe ich also die Servicestation aufgesucht und mir den einen mitgenommenen Satz Bremsbeläge hinten einbauen lassen. Für vorne hatte die Jungs nicht extakt die richtigen Beläge dabei, konnten aber trotzdem welche einbauen, die den Job zufriedenstellend erledigt haben.

Der Rest war wie schon gesagt eine nette Radtour. Wir sind als Vorletztes Team von der ersten Verpflegung aufgebrochen und haben uns kontinuierlich dem Ziel entgegengekämpft. Am Ende waren wir sogar noch so rechtzeitig im Camp, dass wir jetzt etwas Relaxen können.

Freitag, 30. März 2012

Matschball

Gestern Nachmittag begann der Regen, so reichlich wie ich ihn in Afrika erwarten würde. Leider wurde es unerwartet kalt, 9-11 Grad. Zum Glück haben wir nicht alle Regensachen in den Koffern gelassen, und wir können uns anziehen, wie bei einer Radtour. Zuhause.
Das RaceOffice hofft noch: Lets hope the single trails will not be too muddy. Entweder ist das der Kommunikationsstil, oder das RaceOffice ist selber nicht häufig nach einem Regen geradelt. Und also: keine Änderungen an der Route.
Am Morgen regnet es weiter, und kaum aus der Stadt raus, ist Schluss mit Asphalt und Start mit Matsch. Rot und stellenweise tief. Den ersten Biker sehe ich nach 5 km stürzen.

Chainsuck: Der Matsch wird vom Hinterrad hoch auf die Kette geschleudert, diese klebt am Zahnkranz, wird von der nachfolgenden Kette eingeklemmt, und stop ist's.

Und tatsächlich führt am nachmittag, wo der Straßenzustand jedem klar geworden sein müsste, die Route über die hoffnungslos vermatschten Eindeutig vermeidbar, aber die Organisatoren haben andere Prioritäten. Tolle Media-Bilder vermutlich.

Nach einer letzten, überflüssigen Schlammrunde um unseren neuen Zeltplatz treffen wir ziemlich sauer ein. Es ist spät, kühl, alles ist verdreckt, und der neue Platz versinkt schon am ersten Nachmittag im Schlamm.

Die Organisation zeigt keine Reaktion auf das Wetter. Na prima, das ist vermutlich authentisch Afrika, wie wir es wollten.

Donnerstag, 29. März 2012

Es gibt auch Berge in Afrika




Mit der Ankündigung zweier Berge wurde uns die Etappe vorgestellt. Außerdem noch nebenbei 103km und viel zu viele Höhenmeter. Das ist genau das richtige zum Erholen.

Los geht es durch den historischen Ortskern von Caledon. Ich vermag allerdings nichts Historisches zu erkennen und konzentriere mich wieder auf die Massen von Radfahrern um mich herum und natürlich darum, Ekkard nicht aus den Augen zu verlieren. Nach einiger Zeit spielt sich alles wie gewohnt ein und wir radeln über Schotterstraßen durch die Hügel Afrikas.

Ich sehe Berge in einiger Entfernung und denke, vielleicht dürfen wir ja wirklich mal dahin und müssen nicht immer durch Weinberge, Äcker und sonstige landwirtschaftliche (un)Nutzfläche fahren. Kurze Zeit später sind wir tatsächlich an den Bergen und strampeln bzw. schieben den ersten hoch.

Ekkard hat mir zu Beginn der Etappe gesagt, dass er heute kein Rennen gewinnen wolle und so gehen wir das Ganze gemächlich an. Ich wollte sowieso das Rennen nicht gewinnen. Aber das weiß Ekkard bestimmt auch. Die Höhenmeter vom Vortag stecken noch überall in den Gliedern und so bin ich nicht gerade positiv angetan als Ekkard mir nach etwa vier Stunden mitteilt, dass etwa 1.200 hm geschafft seien. Damit bleiben nämlich immer noch 1.400 hm übrig. Außerdem sind auch noch 50 km zu fahren - auch Mist!

Kurzzeitig werden wir von einigen schönen Ausblicken verwöhnt, die bis an den Atlantik reichen. Auf der gegenüberliegenden Seite sehen wir Buschfeuer brennen, so dass ich stark dafür bin, dass die Route in Richtung Atlantik zu verlaufen hat. Aber der Tour Director hat anders geplant und wir dürfen natürlich, nach einem technisch durchaus interessanten Downhill, wieder über unsere geliebten Äcker heizen - immer Richtung Buschfeuer.


Zwischenzeitlich ist ein absurd starker Wind aufgekommen, und wie es sich der Tour Director für sein härtestes Mountainbike-Rennen der Welt wünscht, kommt der von vorn. Wir haben noch 25 km zu fahren und kommen in der ersten Stunde etwa 8 km weit. Danach hat die Route zumindest teilweise ein Einsehen mit uns und wir dürfen von Zeit zu Zeit auch mal mit Seitenwind fahren. Der bläßt uns allerdings immer wieder quer über den Weg. Einen Fahrer sehe ich, den der Wind an einem Hügel einfach umbläst.

Irgendwann kommt ein Schild vorbei, auf dem 5 km zum Ziel steht. Fein denke ich, das ist zu schaffen. Allerdings habe ich die Rechnung mal wieder ohne den Tour Director gemacht. Die Route muss natürlich zum Schluss nochmal was bieten. Wir dürfen also Auf und Ab durch dichte Wälder und zum Schluss sogar durch den botanischen Garten zuckeln.

Das Ergebnis ist für mich ähnlich wie gestern: blöde Streckenführung - einzig um uns zu ärgern.

Mittwoch, 28. März 2012

Schutthaufen mit Aussicht

Indem sich die CapeEpic beständig als das härteste Mountainbike-Rennen der Welt bezeichnet, war heute die härteste Etappe angesagt, die wohl notwendig ist, um den Titel zu sichern.
143 km, 2900 Höhenmeter. Dass es dazu auch noch heiß war, passt dazu.
Und so sind wir, die hoffentlich härtesten Mountainbiker der Welt, auf Schuttwegen durch die Lynddchaft gekreuzt, quer über Äcker, haben uns auf staubigen Pisten von Holzlastern jagen lassen, sind entlang von Zäunen schnurgerade an Grundstücksgrenzen die Berge rauf und wieder runter, nur um endlich in Caledon anzukommen. Das Städtchen empfängt uns über seinen Hinterausgang, d.h. eine Schutthalde und ein neulich abgebranntes Waldstück.
In Hinblick auf die touristischen Höhepunkte war heute nix geboten, außer dem Welt-härtest.

Ein bisschen wehmütig fällt der Vergleich mit dem anderen härtesten MTB-Rennen, der Transalp, schon aus. Dort gibt es je nach Emgagement des Etappenorts kulinarisch Überraschungen, oder tolle Ortschaften, oder spektakuläre Lokation für die After-Race Party.
Brauchen harte Männer nicht.

Dienstag, 27. März 2012

Die Weinbergrunde




Beim Briefing gestern Abend wurde uns erklärt, dass die heutige Etappe als Erholung zu sehen ist, bevor es dann richtig los geht. Aha, haben wir uns gedacht, 122 km und 1650 hm dürften nur ein Minimum an Erholungswert zulassen. Trotzdem haben wir versucht, mit dem Erholungsvorsatz in die Etappe zu starten. Aber schon auf den ersten Kilometern wird klar, die anderen wollen sich nicht erholen. Naja, wir versuchen unser Vorhaben umszusetzen - scließlich sind wir ja in der Startgruppe aufgerückt und haben somit 10 Minuten Vorsprung.

Die Reise hat uns heute zunächst durch Weinberge geführt, die - wie das eben so ist - bergig sind. Das Unschöne daran ist, dass es immer rauf und runter geht und zwar immer wieder recht steil. Dazwischen kommt auch mal eine Flussdurchquerung zur Abwechslung, und damit meine ich wirklich Fluss im Gegensatz zu Bach. Das Wasser reicht uns bzw. den Rädern bis zu den Naben und die Strömung schiebt ordentlich von der Seite. Nach etwa 15 Metern ist das geschafft. Die Räder, Schuhe, Socken usw. sind ordentlich nass und so hält sich der Staub gerne daran fest.

Bei der zweiten Verpflegung tanke nicht nur ich alles Mögliche nach, sondern auch mein Rad bekommt etwas Luft. Danach geht es weiter. Aber nach kurzer Zeit ist die aufgetankte Luft wieder weg wie bei mir die Energie. Die nüchterne Feststellung: Plattfuß. Gespannt such wir das Loch und beobachten wie die von Toni verabrechte Latex-Milch versucht, das Loch abzudichten. Ich pumpe und wir beschließen, ohne weitere Reparatur erst mal weiterzufahren. Ich kann es kaum fassen, aber der Luftdruck im Reifen hält und ich muss nicht wie viele andere weitere Reparaturmaßnahmen ergreifen. Vielen Dank Toni!!!

Nennenswerte Berge gibt es heute keine zu überwinden, trotzdem sind wir nach 90 km bei der letzten Verpflegung schon ganz schön bedient. Aber es hilft nicht und wir strampeln weiter unsere Kilometer ab. Als die letzten 15 km anbrechen wähne ich mich schon fast im Ziel, als die Route von einer netten, gut befahrbaren Straßen wieder mal in die Weinberge abbiegt. Also geht es zum Schluss noch diverse Male auf und ab. Kurz bevor wir die Nerven mit dem ewigen Auf und Ab verlieren biegt die Route auf eine asphaltierte Straße und wir wissen, dass das Ziel nun greifbar nahe ist. Und tatsächlich kommen wir kurze Zeit später im Ziel an. Die Fahrzeit heute: 7:30 Stunden. Damit werden wir in der Tageswertung der Herren 270. und in der Gesamtplatzierung rutschen wir auf Platz 443 ab.

Wie sich schon an unseren Gesichtern auf dem Foto oben erahnen lässt, sieht Erholung dann doch anders aus.

Montag, 26. März 2012

In Afrika ists heiß



Das ist die Platitüde, die sich in allen CapeEpic Blogs auch der früheren Jahre wiederholt. Wir haben uns vorbereitet, doch die Wucht der Hitze hat uns überrascht. Morgens noch bedeckt bei 18 Grad war das Biken wie gewohnt schweisstreibend. Um 9:30 riss die Wolkendecke auf und verschwand innerhalb kürzester Zeit. Alle 10 Minuten stieg die Temperatur um 1 Grad, bis es dann Mittags 30 plus war. Die unterschiedlichsten Zahlen wurden herumgereicht, von 32 bis zu 38. Das wird kritisch für die Körperkerntemperatur, wenn man sich fast durchgehend in der Sonne befindet, bei Anstiegen keinen Wind hat und gleichzeitig kräftig in die Pedale treten muss.

Wir hatten alle verfügbare Transport-Kapazität im Einsatz, füllten überall nach, es gab sogar eine zusätzliche Wasserstelle. Der begrenzende Faktor war der Magen, der einfach nicht mehr durchlassen wollte. 13 Liter haben wir geschluckt und sind immer noch im Defizit. Wir füllen mit allem nach, was unsere Reichweite kommt. Wir sind einigermaßen gut durchgekommen, einige unserer Kollegen saßen am Wegesrand im Schatten und sahen nicht so glücklich aus. Zwei Krankenwagen kamen uns entgegen.

Die dürren Zahlen: 8:00:09 finish time,
219 in der Mens Wertung (ja wir starten Hauptklasse)
394 in der Gesamtwertung von 600 gestarteten Teams.

Ich dachte vor dem Start, dass sie uns als Ausländer als Zahlonkels mitfahren lassen udn dafür ein bisschen gnädig sind, wenn es um die sportliche Komnponente geht. Der Prolog war ein Zirkus, in dem sich viele präsentieren wollten und entsprechend wurde auch gefahren. Und heute ging es weiter im harten Wettbewerb mit größtem Engagement und die Strecke ist rauf wie runter hart. Die "real men"-Komponente scheint tief drin zu stecken, obwohl natürlich viele Frauen mitfahren (in mixed oder womens teams) und manche Frauen den harten Männern um die Ohren fahren.

Und wir können auch mithalten, und hoffen wir, dass es schneien möge.
Achja staubig wars auch nicht zu knapp, wie ihr im Titelbild seht.

Sonntag, 25. März 2012

Prolog


Der Tag hat früh begonnen und zwar ähnlich wie der gestrige geendet hat: mit Packen. Rein in die Klamotten für den Prolog, Fahrräder präparieren, alles andere in die Fahrradkoffer, die schönen Cape Epic Taschen mit den Dingen füllen, die wir für die nächsten acht Tage benötigen und dann alles in den reservierten Mietwagen packen. Zum Glück kommt kein normales Auto, sondern tatsächlich der angekündigte VW-Bus. Trotzdem mit zwei Radkoffern, den Taschen, Bikes und uns selbst ist der voll bis unters Dach. Gerade der Fahrer und wir beide finden noch Platz darin. Dann noch schnell bei David ein kleines Frühstück einverleiben und los geht's zum Prolog-Startort. Dort angekommen ist das Raceteam gar nicht glücklich mit unseren Fahrradkoffern, aber nach einigem Hin und Her kümmert sich die Organisation auch darum.

Mit unserer Startzeit um 8:55:40 Uhr haben wir Glück, spät genug, um noch mehr Hektik zu vermeiden, und früh genug, um nicht in die Mittagshitze zu kommen. So jedenfalls die Vorstellung. Dumm nur, dass hier in Südafrika die Hitze auch schon morgens da ist.

Trotzdem der Start rückt näher und wir schieben uns nach un nach auf die Startrampe. Pünktlich geht es auf die Strecke. Nach etwa 800m überholt uns das 25 Sekunden nach uns gestartete Team. Na toll denke ich, das wird ja was werden! Kurze Zeit später denke ich nicht mehr daran, dafür kämpfe ich mich bei Puls 175 eine sandige Rampe hinauf. Schwitzen ist hier garantiert. Der Weg verläuft durch ein Weingut durch dessen Weinberge, wobei die nicht bebauten Hänge als Bikepark dienen. Also Kurven, Stufen und schnelle Downhills über Sand und Stein. An Erholung ist dabei allerdings mal wieder nicht zu denken. So wiederholt sich das Spiel bis die 27 km abgearbeitet sind.

Mein Fazit des Prologs: Wir können erahnen, was in den nächsten Tagen auf uns zukommt - Afrika pur. Die Platzierung von heute ist noch zu erwähnen: 261. der Herren und im Gesamtklassement 462.

Samstag, 24. März 2012

Dichte Packung


Es gibt schon weitere Dinge, die anders sind und an die ich mich noch nicht gewöhnt habe. Der Linksverkehr zum Beispiel bringt mich immer wieder aus dem Konzept. Das ist auf dem Rad meist problemlos korrigierbar, irritierend bleibt es.

Zum anderen ist es seltsam, dass andere mich nicht als Fremden sehen. Vielleicht erkennen Sie es nicht auf Anhieb. denn hier gibt es alle Hautfarben vom Reinweiß mit Winterblässe bis zum tiefschwarz. Nach einiger Zeit müssten sie es dann eigentlich merken, aber es macht keinen Unterschied. Es ist egal, woher wir kommen, man wird höflich behandelt, aber nicht wie ein rohes Ei. Und besonders neugierig sind sie auch nicht.

Unsere Tour kann man sozusagen im Internet mitverfolgen. Südafrika ist mindestens so Internett versessen wie wir selber.
Wir haben die ersten beiden Tage bei David's gewohnt, einem Bed&Breakfast, das von einem sehr liebenswertes Paar (David und Hannes) gemanaged wird. Wir haben einen kleinen Garten, in dem wir unsere Fahrräder zusammenbauen und warten können, außerdem unser Bier trinken, und eine Mini-Garage für die Bikes. http://davids.co.za.
Leider geht es jetzt los in die Zeltstadt.

Heute waren wir in Tokai Forest auf vielen tollen Singletrails unterwegs. Langsam läufts und die Hitze führt nicht automatisch zu Schweissausbrüchen. Auf snseren Biketouren haben wir von Kevin führen lassen, auf Facebook "Kevin Cape Town". Kevin gehört zur Firma Daytrippers, die sehr professionell arbeitet. http://daytrippers.co.za.

Abends waren wir in einem Bier-Kneipe, nach einiger Zeit spielten "The Professors" Live-Musik: Jason Mraz, James Blunt, Jack Johnson. Viele Grüße an Isa, hier haben sie Geschmack. http://theprofessors.co.za stand auf ihrem Plakat, und facebook sowieso.

Wir haben uns nochaml mit der Logistik unserer Koffer beschäftigt, damit es uns nicht langweilig wird. Ansonsten mussten wir nochmal umpacken, die Taschen, die wir auf die Tour mitnehmen können, haben einfach nicht alles gefast, was wir als wichtig ansahen. Der Schlafsack muss auch rein und Ersatzmantel und Isodrinks und alles für den Fall der Fälle und den Fall der Fall der Fälle. Kontrolle über alles. Das ist hier eindeutig nicht der Style und so flogen Langarmtrikots, Ersatztrikots usw. wieder aus der Packtasche raus.

Und dann war hier auch noch Cape Town Carneval, von dem das Bild ist. Der Tag mal wieder vollgepackt wie die Tasche.

Freitag, 23. März 2012

Nur eine andere Methode


Wieso wollen wir eigentlich in Südafrika Rad fahren? Seit der ursprünglichen Planung ist ein Jahr vergangen, und inzwischen wissen wir beide es nicht mehr. Während wir einen Tag im Zug, im Flugzeug und auf Transfers verbracht haben, diskutierten wir einige Hypothesen: Hat uns das Abenteuer Afrika in unserem Übermut gelockt? Haben wir das Radfahrfieber und können nicht anders, als immer extremere Rennen zu fahren? Waren wir im letzten Frühjar vielleicht gar nicht recht bei Trost? Mir gefällt die Fluchthypothese am besten: Jede Ausfahrt ist eine kleine Flucht aus dem Alltag, und in diesem Fall ist es eine große Flucht. Irgendwie verstärkten die letzten Tage vor Abreise ziemlich diesen Eindruck.

Mit den ersten 24 Stunden unterwegs verschwand allmählich das Gefühl des Absurden, weil alles so normal war: Zug pünktlich, Flieger pünktlich, Transfer erwartet uns, Pension erwartet uns, alles klappt. Dass wir unsere irrwitzig großen Radkoffer herumwuchten müssen, ist der einzige Störfaktor. Südafrika ist (zumindest bis jetzt) Europa so ähnlich, dass ich fast vergessen hätte, es zu erwähnen.

Die Exotik zeigt sich hauptsächlich am sommerlichen Wetter, das so gar nicht zu unserem europäischen Rhythmus der Jahreszeiten passt. Entsprechend holprig war auch unsere Vorbereitung im Winter bei Minusgraden, während wir hier mit 30 Grad rechnen müssen. Ob wir trotzdem genügend Trainingsstunden gesammelt haben, werden wir ja sehen. Wegen der Hitze sind wir zur Anpassung 2 Tage vor Rennbeginn da.

Zur Beschleunigung der Akklimatisation haben wir uns heute schon mal auf den Tafelberg geschwungen. Und siehe da, Radfahren funktioniert hier auch, ein paar Unterschiede gibt es. Obwohl wir eigentlich groggy vom Flug sind, macht uns das Radfahren so viel Spaß, dass wir wissen, warum wir hier sind: Radfahren ist einfach unsere Methode, Afrika zu efahren. In Touristenhotels wohnen, mit dem Auto rumfahren und Sachen angucken ist eine andere Methode.